Fachbeiträge zum Thema Schweine aus vorhergehenden Jahren

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Fachbeiträge Schweine aus dem aktuellen Jahr



Schweinetag Sachsen-Anhalt 2012

Am 06. und 07.11.2012 fand in Iden und Leißling der diesjährige Sachsen-Anhaltische Schweinetag statt. 160 Teilnehmer und 13 Aussteller waren Ausdruck einer zunehmenden Beliebtheit dieser traditionellen Veranstaltung. Es wurden durch kompetente Referenten aktuelle züchterische, ökonomische und tiermedizinische Aspekte der Schweineproduktion vermittelt und diskutiert.

Die vollständigen Beiträge der Veranstaltung sehen Sie hier:

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Schweinetag 2012 Programm und Vorträge


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Schweinetag Sachsen-Anhalt 2011

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Sachsen-Anhaltischer Schweinetag war trotz Wintereinbruchs ein Erfolg

von Dr. Karsten John, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt

Am 30.11. und 1.12.10 trafen sich Landwirte, Tierärzte, Vertreter aus Behörden sowie aus Pharma- und Futtermittelindustrie in Winterfeld und Leißling zum diesjährigen Schweinetag, um aktuelle Themen rund um die Schweineproduktion und –medizin zu diskutieren. Trotz widriger Witterungsbedingungen fanden 150 Interessierte den Weg in die Altmark und ins Burgenland. Neben interessanten Fachvorträgen bot sich Gelegenheit zum Small Talk und zum Auffrischen alter und knüpfen neuer Kontakte. Die Veranstaltung wurde durch Dr. K. John vom Schweinegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse moderiert.

Zunächst verwies Dr. Weber von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden auf aktuelle und bevorstehende gesetzliche Regelungen, die Schweinebetriebe künftig zu beachten haben. Im Focus standen Veränderungen in den Aufstallungsformen im Wartebereich, die mit verschiedenen Fütterungssystemen kombiniert werden müssen. Auch geeignete Lösungen zur Verbesserung des Lichtregimes und zur Unterstützung des Spieltriebes der Tiere wurden diskutiert. Es wurde angeregt, notwendige Investitionen ernsthaft und frühzeitig anzugehen, da strenge Kontrollen seitens der Behörden zu erwarten sind. Professor Matthes von der Landesanstalt in Dummerstorf berichtete über Herausforderungen, denen sich deutsche Landwirte unter veränderten globalen Gegebenheiten zu stellen haben. Dabei wurde deutlich, dass die Orientierung an den Top-Produzenten Dänemark und Holland einen harten Wettbewerb bedeutet. Die von Prof. Matthes offerierten Leistungsdaten aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zeigten, dass besonders im Hinblick auf Ferkelzahlen, Masttagszunahmen und Futterverbrauch die erwähnten Bundesländer, wie auch Gesamtdeutschland noch einen erheblichen Nachholbedarf aufzuweisen haben. Die deutsche Schweinebranche sei dennoch auf einem guten Weg. Über Erfahrungen mit der Sanierung und Repopulation einer Anlage im Süden Sachsen-Anhalts berichtete der Geschäftsführer der Ostrauer Agrar GmbH Herr E. Stahr. In diesem Betrieb wurde eine Nukleusherde mit einem Hochgesundheitsstatus im Jahr 2008 aufgebaut und verzeichnete bis heute eine deutliche Steigerung in den wichtigsten Leistungsparametern, nicht zuletzt durch eine Verbesserung im Gesundheits- und Hygienemanagement. Er verwies aber auch auf die großen Anstrengungen, die dem Personal abverlangt werden, um diesen Status zu erhalten. Den Abschluss der Veranstaltung bildete der Vortrag des Kollegen Dr. Kühn vom Labor synlab.vet aus Leipzig, der als Fachtierarzt für Mikrobiologie einen wesentlichen tiermedizinischen Aspekt in die Diskussion brachte und Grundlagen einer erfolgreichen Diagnostik aufzeigte. Nachdem direkte und indirekte Nachweismethoden beschrieben wurden, verwies Dr. Kühn auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Stichprobenentnahme und zeigte auf, wie stark die Aussagefähigkeit sinkt, wenn, wie häufig geschehen, nur wenige Tiere beprobt werden. Schließlich wurde ein Diagnostikprogramm der Firma Intervet vorgestellt, welches als regelmäßiges Monitoringtool für jeden Betrieb geeignet ist, den tiergesundheitlichen Status zu bestimmen und über längere Zeiträume zu verfolgen, um somit bei Auffälligkeiten schnell reagieren zu können.

Durch die Stiftung zur Förderung der Schweinezucht in Sachsen-Anhalt wurden zwei Arbeiten mit einem Innovationspreis prämiert. Frau K. Eber erhielt die Auszeichnung für die Darstellung der Ergebnisse ihrer Masterarbeit, Frau D. Schillkamp stellte ihre Bachelorarbeit vor. Beide Arbeiten wurden an der Fachhochschule Bernburg erstellt und beschäftigten sich mit dem Einfluss der Körperkondition von Sauen auf Parameter der Fruchtbarkeit. Wie jedes Jahr wurde auch 2010 der beste Lehrling in der Kategorie „Tierwirt“ ausgezeichnet. Die Urkunde, überreicht durch Dr. Münch vom Amt für Landwirtschaft in Dessau, ging an Frau N. Müller aus der Rustenbecker Schweinezucht GmbH im Altmarkkreis Salzwedel.

Dr. Weber, Iden Prof. Matthes, Dummersdorf E. Stahr, Ostrau

Dr. Kühn, Leipzig Dr. Münch, Dessau K. Eber, Nordhausen

D. Schillkamp, Nordhausen


Veranstaltung in Winterfeld Veranstaltung in Leißling


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Gemeinsame Fortbildungsveranstaltung der für Tierseuchenbekämpfung zuständigen obersten Landesbehörden, der Tierärztekammern der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie des Tiergesundheitsdienstes Sachsen-Anhalt

von Dr. Karsten John, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt

Am 20. Mai 2010 fand in den Räumen der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Bernburg-Strenzfeld eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung der obersten Landesbehörden der mitteldeutschen Länder, deren Tierärztekammern sowie des Tiergesundheitsdienstes Sachsen-Anhalts statt.
Ca. 100 Teilnehmer aus acht Bundesländern gaben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen.
Im Vormittagsmodul ging es zunächst um die Auswertung der im November 2009 stattgefundenen gemeinsamen Tierseuchenübung der mitteldeutschen Länder, bei der ein MKS-Ausbruch inklusive der Kapazitätsplanung simuliert wurde. Die Referenten der einzelnen Länder kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass derartige Übungen in bestimmten Abständen dringend notwendig sind, da sie Schwachstellen bei der Abwicklung eines Krisenfalles aufzeigten, wobei die fachliche Beherrschung überwiegend gegeben war. Es zeigte sich aber, dass die Personalausstattung insbesondere auf Lan-desebene viel zu gering und Besserung nicht in Sicht ist. Man sollte im Ernstfall prüfen, inwieweit die Erfahrungen beamteter Tierärzte im Ruhestand im Krisenfall genutzt werden könnten. Auch die Kapazitäten zur Tötung sowie die dafür erforderliche Zeit waren zu knapp bemessen. Um die Tierverluste materiell zu schätzen, braucht es in Zukunft deutlich mehr Schätzer, die zunächst aber ausgebildet werden müssen. Für die Zukunft wurden mehr praktische Übungen im Tierbestand gefordert.

Im Focus des zweiten Teils der Veranstaltung standen die von Wildschweinen ausgehenden Gefahren für die Hausschweinepopulation. Dabei wurden die Themenschwerpunkte Aujeszkysche Krankheit, Europäische Schweinepest und Schweinebrucellose separat vorgestellt und diskutiert. Der vom Amtstierarzt Dr. Kasan dargestellte Aujeszky-Fall eines Jagdhundes im Landlreis Wittenberg im Dezember letzten Jahres zeigte deutlich, dass uns dieses Thema im Bereich der Wildschweine auch in Zukunft begleiten wird. So wurden für den erwähnten Landkreis Seroprävalenzen beim Schwarzwild von 35 % festgestellt, in Ostdeutschland sind es insgesamt 8,9 % mit ansteigender Tendenz. Dr. Freuling vom Friedrich-Löffler-Institut in Wusterhausen wies darauf hin, dass es sich dabei für Fleischfresser um ein hochpathogenes Virus handelt und eine Verfütterung von Aufbruchmaterial an Hunde unter allen Umständen verhindert werden muss. Klinische AK-Infektionen beim Schwarzwild sind eher selten und abhängig von Virulenz, Infektionsdosis und Infektionsweg. Offenbar sind auch „avirulente“ PrV-Varianten beim Wildschwein nachzuweisen. Hausschweine sind grundsätzlich infizierbar, der Status „frei“ ist aber zurzeit nicht gefährdet. Dennoch wäre ein übergreifendes Mo-nitoring, eventuell gekoppelt an die KSP-Surveillance, wünschenswert.
Frau Dr. Blicke vom zuständigen Ministerium in Rheinland Pfalz gab einen Überblick über die dortige KSP-Situation beim Schwarzwild. Im Jahr 2009 wurden 24 Fälle von Klassischer Schweinepest im Land festgestellt. Wichtig ist ein flächendeckendes Monitoring in Raum und Zeit, welches die drei Be-reiche Untersuchung, Impfung und Jagd umfasst. Der Untersuchung von Frischlingen unter 20 kg kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Bei der Köderimpfung mit Lebendimpfstoff müssen zweimal im Abstand von 28 Tagen jeweils 20 – 40 Köder je Köderplatz ausgelegt werden.
Brucelloseinfektionen bei Hausschweinen stellen besonders für Freilandbetriebe ein hohes Risiko dar. Zurzeit bestehen in Mecklenburg-Vorpommern zehn Schweinehaltungen im Outdoorbereich, so dass Frau Dr. Roost vom dortigen Landesamt für Landwirtschaft einen guten Überblick über die derzeitige Situation geben konnte. Im Jahr 2008 kam es dort zu sechs und im Jahr 2009 zu einer Seuchen-feststellung. Wichtig ist in dem Zusammenhang die symptomatische Früherkennung, wie das Auftreten von Aborten, azyklischen Umrauschern, Totgeburten und Hodenentzündungen. Frei-landhaltungen sollten generell quartalsweise beprobt werden. Die Zaunführung der Betriebe muss wildsicher, die Futterlagerung abgedeckt erfolgen. Die Seroprävalenz beim Schwarzwild beträgt ca. 23 %, wobei adulte Keiler besonders betroffen sind. Frau Dr. Roost wies darauf hin, dass eine Brucella-suis-Anzüchtung trotz negativer PCR möglich ist. Jungsauen können die Erreger verschleppen, ohne serologisch zu reagieren. Letztlich ist aber eine indirekte Einschleppung über Marder, Füchse oder Vögel nicht gänzlich zu verhindern, sollten Freilandhaltungen auch in Zukunft erlaubt sein.
Abschließend ging Dr. Nöckler vom Bundesinstitut für Risikobewertung Berlin auf die Trichinella-Situation beim Schwarzwild ein. Auch hier besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für Schweine unter Freilandhaltung, da eine hohe Prävalenz bei Wildtieren besteht. Aufgrund der gesetzlich vorgeschrie-benen Untersuchungspflicht bei Wild- und Hausschweinen sind Infektionen beim Menschen selten und zumeist zurückzuführen auf den Verzehr von importiertem Fleisch, insbesondere aus Osteuropa. Dennoch werden bis zu zehn Fälle pro Jahr in Deutschland registriert. Sinnvoll wären Trendanalysen bei Indikatortieren im Sinne eines Wildmonitorings.

Die Veranstaltung zeichnete sich durch eine hohe Teilnehmerzahl aus.


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Sachsen-anhaltischer Schweinetag erfreute sich regen Zuspruchs

von Dr. Karsten John, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt

Am 10. und 11.11.2009 fand in Winterfeld/Altmark und Leißling eine Fachtagung für Schweinehalter in Sachsen-Anhalt statt, die gemeinsam von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Iden, der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt sowie dem Landesbauernverband organisiert wurde. Mehr als 150 Landwirte, Futtermittelberater, Vertreter von Zuchtorganisationen und aus der Industrie diskutierten an 2 Tagen über aktuelle Probleme aus den Bereichen Haltung, Tiermedizin und Fruchtbarkeit.

Aufgrund eines ständig steigenden Zuchtfortschritts und der Eingliederung besonders fruchtbarer Sauenlinien in immer mehr Betriebe, stellt sich zunehmend die Frage, die steigenden Ferkelzahlen zu managen. Über technische Neuerungen im Abferkelbereich informierte Dr. Niklaus von der Spezialberatung in Dummersdorf. Dabei steht die Ernährung der Ferkel mit zusätzlichen Tränkeeinrichtungen im Vordergrund, wenn die Sauen die Versor-gung nicht mehr gewährleisten können. Außerdem kommt im Sinne hoher Absetzgewichte und eines problemlosen Übergangs in die Flatdeckphase durch Stabilisierung der Darmflora einer frühzeitigen Ergänzungsfütterung mit breiförmigem Prästarter ab der 2. Lebensowche eine große Bedeutung zu. Dr. Weber von der LLG Iden informierte über häufige Fehler in der Stallklimagestaltung und gab gleichzeitig wertvolle Hinweise zu deren Beseitigung. Er verwies darauf, dass bereits in der Bauphase und bei der Planung und Dimensionierung die Grundlagen gelegt werden. Häufig werden Lüftungsanlagen falsch verbaut oder es sind die Mitarbeiter in den Betrieben nur wenig mit der entsprechenden Technik vertraut. Auch sollten die Lüftungsanlagen einer ständigen Wartung und Pflege unterzogen werden, da kleine Defizite oftmals große Auswirkungen haben.

Der tiermedizinische Themenkomplex wurde gemeinsam von Dr. John vom Schweinegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt und von Dr. Steens von der Firma Boehringer Ingelheim besprochen. Dr. John informierte über die Geschichte der Circovirusinfektion sowie deren aktuelle Bedeutung in den Beständen. Dabei stellte er fest, dass es besonders darauf ankommt, belastende Kofaktoren als Stresskomponenten auszuschalten, da diese ein Circovirusgeschehen verkomplizieren und zu beträchtlichen Verlusten führen können. Während früher besonders im Aufzuchtbereich die Probleme beobachtet wurden, steht heute die Stabilisierung der Masttiere und Jungsauen im Vordergrund. Außerdem ist das Virus in seiner Wirkung mit einer Vielzahl von Erkrankungen assoziiert. Über aktuelle Feldstudien im Rahmen von Impfungen gegen die PCV-2-Erkrankung im Mastbereich informierte Dr. Steens, Fa. Boehringer. Es verwies auf die zuverlässige Wirkung des Impfstoffes bis zum Mastende, wenn die Ferkel ab der 2. Lebenswoche geimpft werden. Komplettiert wurden die beiden Veranstaltungstage durch Professor Hühn, Experte auf dem Gebiet der Reproduktion. Er äußerte sich kritisch zu Tendenzen, immer mehr Ferkel zu gene-rieren, ohne dabei begleitende Parameter wie Reproduktionsrate und Saugferkelverluste im Blick zu haben. Man könne durchaus den züchterischen Fortschritt nutzen, um sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln, allerdings nicht auf Kosten höherer Abgangs- und Verlustraten. Abschließend wurden Fragen zur Zuchtkondition der Jungsauen sowie deren erfolgreicher biotechnologischen Eingliederung diskutiert.

Dr. Steens Professor Hühn


Dr. Niklaus Dr. Weber


Tagung in Leißling Tagung in Winterfeld


Alle Vorträge sind in Kürze auf der Homepage der LLG Iden abrufbar unter: www.llg-lsa.de

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1. Gemeinsame Tagung von Ärzten und Tierärzten Sachsen-Anhalts in Magdeburg

von Dr. Karsten John, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt

Am 14. Juni 2008 fand in Magdeburg die erste Fortbildungstagung von Ärzten und Tierärzten statt, die von den beiden Kammern Sachsen-Anhalts organisiert wurde. Zentrales Thema waren vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheiten sowie die Versorgung von Tierbissverletzungen. In einem Einleitungsvortrag brachte PD Dr. Heinrich Neubauer vom Friedrich-Löffler-Institut in Jena einen Überblick über wichtige bakterielle Infektionserreger, die in vielen Teilen der Welt nach wie vor ein beträchtliches Gefährdungspotential für den Menschen darstellen, wie die Pest und die Brucellose oder die bestimmte Berufsgruppen betreffen, wie die Tularämie (Hasenpest), eine von Hasen und Kaninchen auf den Menschen - oft Jäger - übertragbare, teils schwer verlaufende Infektion. Aber auch die Übertragungen von Krankheiten vom Menschen auf das Tier, sog. Anthropozoonosen, sind möglich, wie das Beispiel der Mycobacterium-bovis-Infektionen in Entwicklungsländern zeigt. Außerdem wies Dr. Neubauer auf die Problematik von multiresistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen hin, die in Krankenhäusern die Therapie von Infektionen erschweren.

Dr. Thomas Müller vom Friedrich-Löffler-Institut in Wusterhausen gab einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Tollwutbekämpfung und wies darauf hin, dass am 3. Februar 2006 der letzte Fall von Fuchs-Tollwut in Deutschland registriert wurde und bis in dieses Jahr hinein die Köderimmunisierung der Füchse fortgesetzt wurde. Nach weiteren zwei Jahren der Überwachung wird Deutschland 2010 als offiziell Tollwut-frei gelten, womit sich die Strategie der Veterinärbehörden, die Fuchspopulation mittels Futterköder zu immunisieren, als erfolgreich erwiesen hat. Als verbleibendes Erregerreservoir kommen allerdings weiterhin verschiedene Fledermausarten in Betracht, von denen aber unter hiesigen Bedingungen eine fast zu vernachlässigende Gefahr für Mensch und Tier ausgeht. Inwieweit die jahrzehntelang durchgeführte nahezu flächendeckende Tollwutimpfung der hiesigen Hunde und Katzen in Zukunft ihre Bedeutung behalten wird, bleibt abzuwarten. Da die Tollwut in vielen Teilen der Erde aber nach wie vor eine Ernst zu nehmende Gefahr darstellt, sollten Hunde, die in diese Länder mitreisen, weiterhin geimpft werden, abgesehen davon, dass einige europäische Staaten den Nachweis der Impfung bei Einreise mittels Titerbestimmung fordern bzw. die Tiere sogar quarantänisieren. Ähnliche Restriktionen wären nach amtlicher Tollwutfreiheit für einreisende Hunde nach Deutschland ebenfalls denkbar.

Zwei humanmedizinische Vorträge eröffneten den zweiten Teil der Veranstaltung. Zunächst gab Dr. med. Jörg Tautenhahn von der Uniklinik Magdeburg eine Überblick über die chirurgische Wundversorgung von Bissverletzungen und wies auf die Bedeutung einer raschen Infektionsprophylaxe hin. Danach wandte sich Dr. med. Andreas Ambach aus dem gleichen Hause dem Problem der Borreliose zu, einer von Zecken auf den Menschen übertragbaren bakteriellen Erkrankung. Dabei standen Fragen zur Diagnostik und Vermeidung dieser Infektion im Vordergrund.

Dr. Nicolai Denzin vom Landesamt für Verbraucherschutz in Stendal referierte über die Bedeutung und das Vorkommen von Infektionen mit dem Fuchsbandwurm. Er wies darauf hin, dass diese Erkrankung beim Menschen einer sehr seltene Erscheinung darstellt, bei Nicht-Erkennen allerdings einen fatalen Verlauf nehmen kann und eine langwierige, oft über Jahre andauernde Behandlung notwendig macht. Die Bedeutung von kontaminierten Waldfrüchten und Pilzen bleibt i.d.Z. umstritten.

Abschließend gab Dr. Konrad Sachse vom Friedrich-Löffler-Institut in Jena einen Überblick über eine Zoonose, die 2005 im südlichen Sachsen-Anhalt für Aufsehen sorgte – die Ornithose, eine Chlamydieninfektion des Geflügels, die bei engem Kontakt und schlechten hygienischen Zuständen zu Atemwegserkrankungen des Menschen führen kann.

Die Veranstalter waren sich einig, eine sehr gelungene Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen zu haben, die sich bereits beim ersten Mal mit ca. 60 Besuchern eines regen Zuspruches erfreute. Die zweite Zoonose-Tagung ist für das Jahr 2010 geplant.

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Gründungsveranstaltung der „Stiftung zur Förderung der Schweinezucht in Sachsen-Anhalt“

Am 31. Mai fand in Magdeburg-Ebendorf die offizielle Gründung der „Stiftung zur Förderung der Schweinezucht in Sachsen-Anhalt“ statt, zu der interessierte Schweineproduzenten sowie Mitglieder von Verbänden und aus der Industrie eingeladen waren. Diese Stiftung soll in Zukunft Projekte unterstützen, die der Entwicklung der Schweineproduktion im Lande Rechnung tragen. Festredner waren der Staatssekretär des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Dr. Aeikens sowie der Stifter Herr Menges, die darauf verwiesen, dass das Startkapital von 195 000 Euro ein guter Anfang sei, zusätzliche Spenden aber nötig wären, um die Stiftung auch für die Zukunft gut auszurüsten. Als Vorstandsvorsitzender der neu gegründeten Stiftung nahm Dr. Salchert die Gründungsurkunde entgegen.

Im fachlichen Teil der Veranstaltung wies Prof. Selbitz vom Impfstoffwerk Dessau-Tornau zunächst auf die Bedeutung von Salmonellen und Campylobacter als Risikofaktoren von Zoonosen hin. Diese Thematik erlangte durch die Verabschiedung der neune Bundesverordnung im März dieses Jahres besondere Bedeutung. Dr. Noe von der Firma Intervet erläuterte eindrucksvoll, wie sich Fehler im Impfmanagement auf die Gesundheit und Leistung unserer Schweine auswirken können und worauf es bei der Vielzahl der Impfungen, die heutzutage verabreicht werden, ankommt. Abschließend gab Dr. Haxsen von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig einen Überblick über aktuelle globale Tendenzen im Schweinemarkt und sich daraus ergebende Herausforderungen für heimische Landwirte.

Übergabe der Stiftungsurkunde von Herrn Menges an Dr. Salchert


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„Frühzeitig mit Maßnahmen zur Reduzierung der Salmonellenbelastung in Schweinemastbeständen beginnen“

Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt unterstützt entsprechende Maßnahmen
Von Dr. Karsten John, TGD Sachsen-Anhalt


Entsprechend der Leitlinie zur Verminderung des Eintrags von Salmonellen in die Lebensmittelkette sind Schweinemastbetriebe mit erhöhtem Risiko (Kategorie II und III) verpflichtet, gemeinsam mit dem Tiergesundheitsdienst Maßnahmen zur Recherche Ihrer Eintragsquellen einzuleiten. Allerdings muss festgestellt werden, dass dies bisher nur in unzureichendem Maße geschehen ist. Das Ausbleiben dieser Maßnahmen kann für den Mastbetrieb künftig mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden sein. Bereits jetzt fordert der Schlachthof „Tönnies Fleisch“ in Weißenfels die belasteten Betriebe auf, die bisher getroffenen Maßnahmen innerhalb von 4 Wochen nachzuweisen. Anderenfalls wird mit dem Ausschluss des Betriebes zur Schlachtung gedroht.

Es wird damit gerechnet, dass in spätestens 3 Jahren die Salmonellen-Leitlinie zur Verordnung erhoben wird und damit Gesetzeskraft erlangt. Mit welchen wirtschaftlichen Konsequenzen Kategorie III-Betriebe dann zu rechnen haben, kann man sich heute unschwer vorstellen.

Aus den bisherigen Erfahrungen muss konstatiert werden, dass eine Verbesserung des Salmonellenstatus nicht über Nacht erreicht werden kann. Da es sich bei Salmonellen vorrangig um ein Hygieneproblem handelt, sind v.a. ältere Mastbetriebe und solche mit niedrigem Hygienestatus angesprochen, frühzeitig die Eintragsquellen abklären zu lassen.

Die Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt unterstützt diese Maßnahmen durch eine großzügige Beihilferegelung. Danach wird auf Antrag die Untersuchung von Fleischsaftproben oder anderen geeigneten Untersuchungsmedien auf das Vorhandensein von Salmonellenantikörpern vollständig übernommen. Gezielte Untersuchungen zur Ermittlung von Eintragquellen werden bis zu einem Betrag von 500,00 Euro je Bestand finanziell unterstützt. Sollten sich Hinweise ergeben, dass der vorgelagerte Zuchtbetrieb als mögliche Eintragsquelle in Frage kommt, können auch diese Untersuchungen gefördert werden.

Voraussetzung für die Gewährung einer Beihilfe zur Ermittlung der Eintragsquellen ist die Hinzuziehung des Tiergesundheitsdienstes der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt.

Anfragen und Infos unter: 0391-7325022 ,-24 oder www.tierseuchenkassesachsen-anhalt.de

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„Fortschritte bei der Bekämpfung der Schnüffelkrankheit beim Schwein in Mitteldeutschland in Sicht“

Die Tierseuchenkassen der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt vereinbarten ein Sanierungsprogramm zur Bekämpfung der Schnüffelkrankheit in ihren Schweinezuchtbetrieben

Es informieren Herr Dr. Karsten John und Frau Dr. Petra Habereder vom TGD Sachsen-Anhalt:

Das Krankheitsbild

Die Schnüffelkrankheit (Progressive Rhinitis atrophicans, PRa) ist eine aus wirtschaftlicher und tiergesundheitlicher Sicht relevante Erkrankung in der Schweineproduktion. In Abhängigkeit umweltbedingter (z.B. Schadgase, Überbelegung) und mikrobieller Vorschädigungen (z.B. Bakterien, Viren) sind vor allem zwei Hauptfolgen für das Tier von Bedeutung:

Einerseits führt die Infektion mit toxinbildenden Pasteurella multocida - Erregern zur Zerstörung der Nasenmuscheln, die daraufhin ihre Filterfunktion nicht mehr wahrnehmen können. Äußerlich sind Deformationen der Oberkiefer sowie eine erhöhte Blutungsneigung aus der Nase festzustellen, da das Toxin der Bakterien die knochenaufbauenden Zellen schädigt. Häufig resultiert daraus auch eine Faltenbildung auf dem Nasenrücken. Die Verformungen des Oberkiefers strahlen zum Teil bis in den Augenbereich aus, was zur Verlegung oder Einengung der Tränen-Nasen-Kanäle und zu sichtbaren Tränenstraßen führen kann.

Eine zweite Konsequenz der herabgesetzten Filterfunktion ist die Störung der Funktionalität der oberen Atemwege dergestalt, dass mit der Atemluft aufgenommene Schadstoffe und Bakterien nun ungehindert in die Lungen der Tiere gelangen und ihrerseits zu Infektionen und Entzündungen führen können. Die Folgen sind Erkrankungen des Atmungsapparates insgesamt, die einen erhöhten Therapieaufwand sowie Leistungsdepressionen der Tiere zur Folge haben. Die klinischen Erscheinungen werden in allen Produktionsstufen beobachtet.


Die wirtschaftlichen Folgen

Die wichtigsten Konsequenzen für die Tierhalter bestehen in einer verminderten Leistungsentwicklung der Tiere im Zucht - und Mastbereich. So stellten Lieschke und Kollegen 1991 bei einer Untersuchung an 3019 Masttieren in zwei Beständen fest, dass die Erkrankung zu einer signifikanten Senkung der Schlachtgewichte von durchschnittlich 3,3 kg im Bestand 1 bzw. 1,8 kg im Bestand 2 führte. Mit zunehmendem Schweregrad der PRa-bedingten Veränderungen verschlechterten sich die Auswirkungen auf 4,8 kg (Bestand 1) bzw. 9,4 kg (Bestand 2). Bei Tieren, die zusätzlich entzündliche Lungenveränderungen aufzeigten, wurden Leistungsdepressionen bis zu 13,0 kg beobachtet. In diesem Zusammenhang wurde darauf verwiesen, dass die PRa bereits im Saugferkelalter die Lebendmasseentwicklung beeinträchtigt. Bereits am 42. Lebenstag waren in besagter Studie bis 0,7 kg geringere Absetzgewichte nachweisbar (1). Bestandteil der wirtschaftlichen Folgen von PRa-Erkrankungen ist zudem ein verstärkter Einsatz von Chemotherapeutika.

Dank einer nahezu flächendeckenden Impfprophylaxe in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten konnten die beschriebenen klinischen Auswirkungen weitgehend zurückgedrängt werden. Aufgrund der negativen Preisentwicklung auf dem Schweinemarkt und gleichzeitig gestiegener Kosten sind allerdings viele Sauenhalter zwischenzeitlich aus der Impfung ausgestiegen. Mit der Aufstockung der Betriebe, einem damit verbundenen erhöhten Erregerdruck sowie der Ausbreitung „neuer Krankheiten“, wie Circovirus- oder/und PRRS-Infektionen, sind für die Tiere Bedingungen entstanden, die ihre Abwehrmechanismen stark beanspruchen. Kommen Management- und Haltungsfehler hinzu, sind wieder aufflackernde Infektionen – vor allem in ungeschützten Herden – zu erwarten. Dies beschreibt die Rhinitis atrophicans als klassische Faktorenkrankheit. Gefährdet sind vor allem Bestände, in denen der Erreger oft über Jahre persistierte oder in denen sog. subklinische Infektionen abliefen.


Das Programm

Die Tiergesundheitsdienste (TGD) der Tierseuchenkassen Sachsen und Sachsen-Anhalt haben unter Beteiligung des Tiergesundheitsdienstes Thüringen in fachlicher Zusammenarbeit ein gemeinsames Programm zur Bekämpfung der Schnüffelkrankheit erstellt. Langfristiges Ziel ist es, über die klinische Freiheit der Zuchtbestände hinaus die Eliminierung toxinbildender Pasteurellen zu erreichen. Das Programm umfasst die halbjährliche klinische Untersuchung der Bestände, einschließlich der Entnahme von Nasentupfern von prädisponierten Tiergruppen nach einem statistisch abgesicherten Stichprobenschlüssel. In Abhängigkeit von Ergebnissen der bakteriologischen Untersuchung erfolgt die Einstufung in verschiedene Kategorien von PRa-positiv über -unverdächtig bis hin zu PRa-freien Zuchtbeständen. Ergänzend werden serologische und molekularbiologische Untersuchungen durchgeführt. Die Untersuchungen und Einstufungen werden von den Tiergesundheitsdiensten vorgenommen. Sofern keine positiven Befunde vorliegen, gilt ein Betrieb in den ersten 2 Jahren nach Beitritt zum Programm als PRa-überwachter Bestand. Der Status „PRa-frei“ kann frühestens nach 4 Jahren erreicht werden. Über Einzelheiten des Sanierungskonzeptes informieren die Mitarbeiter der Tiergesundheitsdienste.

Teilnehmen können ab sofort alle interessierten Zuchtbetriebe. Die Kosten der diagnostischen Untersuchungen werden im Rahmen von Beihilfen durch die jeweilige Tierseuchenkasse erstattet. Dazu ist eine schriftliche Beitrittserklärung des Tierhalters erforderlich.

Für positive Bestände wird gemeinsam mit dem Hoftierarzt und dem Tierhalter ein betriebsspezifisches Bekämpfungsprogramm erarbeitet. Wichtige Elemente dieses Programms sind Impfungen, Veränderungen der Umweltbedingungen (z.B. konsequentes Rein-Raus-System im Abferkel- und Aufzuchtbereich, Remontierung der Jungsauen aus kontrollierten Betrieben), chemotherapeutische Behandlungen und die Separierung positiver Tiere.

Das Programm hat letztlich zum Ziel, durch die Generierung erregerfreier und gesunder Zuchttiere langfristig den Infektionsdruck auf die Masttiere zu verringern und somit deren genetisches Leistungspotential besser auszuschöpfen. Zudem wird der Einsatz antibiotischer Wirkstoffe reduziert, was dem Verbraucherschutz Rechnung trägt

Interessierte Tierhalter werden ermuntert, sich dem Sanierungsprogramm anzuschließen, da eine Erregerfreiheit von toxinbildenden Pasteurellen langfristig die Vermarktungschancen der heimischen Zuchtbetriebe verbessert.

(1) B. Lieschke, S. Hoy, I. Koban: Untersuchungen zum Vorkommen und zu den Auswirkungen der Rhinitis atrophicans (R.a.) auf die Mast- und Schlachtleistung von Schweinen. Mh. Vet.-Med. 46 (1991): 706-710

Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt
Tiergesundheitsdienst
Hegelstraße 39
39104 Magdeburg
Tiergesundheitsdienst der
Sächsichen Tierseuchenkasse
Löwenstraße 7a
01099 Dresden


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